Gedenkfeier anlässlich des Jahrestags zum Ende des 2. Weltkriegs

„Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ (Martin Niemöller)

In Erinnerung an die Opfer des belgischen Widerstands gab es in Lüttich am 8. Mai, dem 81. Jahrestag des Kriegsendes, eine offizielle Feier. Die Veranstaltung wurde durch die Stadt Lüttich, die „Association Royale du Monument National à la Résistance“ und das „Commandement militaire de la Province de Liège“ organisiert.

Die SchülerInnen der Klassen 52 und 53 repräsentierten unsere Schule bei dieser bewegenden Gedenkfeier und waren mit ihrer Rede Teil dieser Veranstaltung. Die jährliche Gedenkzeremonie in Lüttich ist weit mehr als eine Formalität. Sie ist ein lebendiger Ausdruck unseres kollektiven Gedächtnisses. Hier, wo die Spuren des Widerstands besonders tief in die Geschichte eingraviert sind, erinnern wir uns nicht nur, was geschehen ist – sondern warum es geschah. Und vor allem, was es für uns heute bedeutet. Die Erinnerungskultur leistet einen wichtigen Beitrag zur Bildung eines demokratischen Bewusstseins.

Ein Rundgang zum Thema „Erinnerungsorte“ führte die SchülerInnen zu den verschiedenen Denkmälern und Erinnerungstafeln in Lüttich, die für die Opfer der beiden Weltkriege aufgestellt wurden. Dabei ging es um zahlreiche Fragen: Wie erinnert man sich heute an den Krieg? Welche Bedeutung haben diese Orte heute für die Bevölkerung? Wie soll man heute den Opfern der Kriege gedenken?

Bei der eigentlichen Zeremonie waren neben dem Vertreter des Königs, dem Bürgermeister und dem Provinzgouverneur zahlreiche BotschafterInnen oder deren RepräsentantInnen vertreten. Auch Abgeordnete des Föderalen Parlaments und der Regierungen der Teilstaaten waren vertreten. Leider war kein Mitglied der Regierung oder des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft vertreten.

Die Reden des Bürgermeisters und des Präsidenten der Vereinigung des Widerstandsdenkmals betonten in ihren Beiträgen die Bedeutung der Erinnerungskultur und der Demokratie im vereinigten Europa als Garantie für den Frieden.

Unsere SchülerInnen präsentierten einen kurzen Beitrag über den deutschen Theologen Martin Niemöller, der 1892 geboren wurde. Er war Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und Präsident im Ökumenischen Rat der Kirchen. In den 1920er und 1930er Jahren sympathisierte er zunächst mit vielen Ansichten der Nationalsozialisten. Nach der Machtergreifung Hitlers kritisierte er immer wieder den Nationalsozialismus. Die Zeit von 1937 bis 1945 hatte er in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern verbracht. So war er unter anderem im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Als „Sonderhäftling“ wurde er mit anderen wichtigen Gefangenen von einer SS-Einheit nach Südtirol gebracht und dort von den Alliierten befreit.

Nach dem Krieg ist er durch folgende Sätze in Erinnerung geblieben:

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Juden einsperrten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Jude.

Als sie mich holten,
gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Das bekannte Zitat gibt es in verschiedenen Fassungen, da Niemöller selbst seine Wortwahl in verschiedenen Situationen und spontanen Reden variierte. Die Worte des 1984 verstorbenen Niemöllers sind auch heute noch Teil der öffentlichen Diskussionen. 

Die Namen der Widerstandskämpfer sind nicht nur historische Fußnoten. Sie stehen für Mut, Menschlichkeit und Verantwortung. Ihre Geschichten erinnern uns daran, dass auch in dunklen Zeiten einzelne Menschen den Unterschied machen konnten und können.

Für uns ist es normal, in einer friedlichen Gesellschaft zu leben. Wir leben momentan in einer Welt mit lauter Chaos und Problemen, lauter Unzufriedenheit und Ungleichheit, lauter Gewalt und Leid, zusammengefasst lauter Unmenschlichkeit! Es klingt verrückt, doch Frieden und die dazugehörende Freiheit ist ein Privileg. Nicht jeder lebt so friedlich, wie wir es tun. Dieses Gefühl von Freiheit, welches wir verspüren, dieses Gefühl, unser Leben zu leben, wie wir es wollen und vor allem keine Angst um unser Leben zu haben, ist eine Ausnahme. Leider kennt nicht jeder auf unserem Planeten dieses Gefühl. Dieses Privileg der Freiheit haben wir unseren Vorfahren zu verdanken. Sie haben im Laufe der Geschichte Widerstand geleistet, um ihre und damit auch unsere Freiheit zu erkämpfen. Der 8. Mai 1945 war der Tag, an dem Frieden und Freiheit ein Stückchen mehr zu Normalität wurden.